Geologie

Neuseeland ist bestens geeignet, um einen Einblick in die Geowissenschaften zu erhalten. Dem Neuseelandbesucher begegnen viele unterschiedliche geologische Strukturen, die leicht zugänglich oder in kurzer Zeit erreichbar sind. So kann schon ein Urlaub von wenigen Wochen einen Eindruck davon vermitteln, wie geologische Prozesse funktionieren.

Die geologische Entwicklung Neuseelands – ein Überblick

Neuseelands Entwicklung begann vor 570 bis 350 Millionen Jahren am östlichen Rand des einstigen Superkontinents Gondwana, vor dessen Küste sich Sedimente aus dem Landesinneren ablagerten. Die Ablagerungen am Meeresboden wurden durch die ozeanische Platte, die unter dem Superkontinent in den Erdmantel abtauchte (Subduktion), zusammengeschoben und gegen das Festland gedrückt. Dieser Prozeß startete vor ungefähr 200 Millionen Jahren und führte in den folgenden 80 Millionen Jahren zur Auffaltung eines Gebirges, dessen Fläche etwa der Hälfte des heutigen Australiens entsprach. Die im Laufe der Zeit umgeformten Sedimente zählen heute zu den ältesten Gesteinen Neuseelands.

Die Subduktions- und Kompressionsphase wurde vor 120 bis 85 Millionen Jahren durch eine Dehnungsphase abgelöst, die zur Bildung einer neuen ozeanischen Kruste zwischen dem neuseeländischen Subkontinent und Gondwana führte. Mit der Öffnung des neuen Ozeans entfernten sich beide Landmassen voneinander. Am Ende der Wanderung, vor ca. 60 Millionen Jahren, lag Neuseeland isoliert zwischen der Tasmanischen See und dem Pazifischen Ozean. Neuseeland war damals immer noch größer als heute. Die Landmassen senkten sich jedoch langsam ab und wurden teilweise vom Meer bedeckt. Zusätzlich wurden die Gebirge durch Erosion abgetragen. In dieser Phase war die Region um Neuseeland tektonisch inaktiv.
Vor ca. 40 Millionen Jahren entstand in der ozeanischen Kruste südwestlich des neuseeländischen Subkontinents eine Riftzone, die sich in Richtung Neuseeland ausbreitete. Mit dieser Phase begann in der Region die Herausbildung einer tektonischen Grenze zwischen Australischer und Pazifischer Platte. Nordöstlich von Neuseeland etablierte sich mit dem Abtauchen der Pazifischen Platte unter der Australischen Platte eine Subduktionszone. Als Verbindung zwischen der Subduktionszone im Nordosten und der Riftzone im Südwesten entwickelte sich vor etwa 20 Millionen Jahren die quer durch Neuseeland verlaufende Alpine Störung. Damit war eine durchgehende Plattengrenze entstanden, an der die Pazifische Platte gegen die Australische Platte vorrückte. Die dabei auf Neuseeland einwirkenden Kompressionskräfte führten zur Verformung des Subkontinentes, zur Auffaltung von Gebirgen und zur Zunahme der vulkanischen Aktivität. Vor etwa 5 Millionen Jahren begann sich das Kompressionszentrum nach Süden zu verlagern. Die Landmassen wurden dabei in eine längliche Form gequetscht und parallel zur Plattengrenze ausgerichtet. Im Norden des Subkontinentes setzte dagegen langsam eine Dehnung der Kruste ein.
Gegenwärtig verläuft die Plattengrenze in südwest-nordöstlicher Richtung. Am Hikurangi-Graben östlich der Nordinsel verschwindet die Pazifische unter der Australischen Platte, entlang der Alpinen Störung verschieben sich beide Platten gegeneinander in horizontaler Richtung und südlich des Fjordlandes taucht die Australische Platte unter der Pazifischen Platte ab. Je nachdem, in welchem Winkel die beiden Platten entlang der Plattengrenze aufeinander treffen, werden die einzelnen Regionen Neuseelands unterschiedlich stark verformt und gegeneinander verschoben.
(A. Borkowski 02/2005)
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